Der Handel zwischen Industrie- und Entwicklungsländern funktioniert nach folgendem Prinzip: Die Preise für Kaffee, Zucker, Tee, Kakao oder Baumwolle werden nicht von ihren Produzenten kalkuliert, sondern an der Börse ausgehandelt.

Fällt die Ernte besonders knapp aus, steigen zwar die Weltmarktpreise, doch von diesem höheren Preis profitieren hauptsächlich die Händler. Fällt der Preis, durch ein Überangebot am Weltmarkt, so bekommt der Produzent noch weniger für seine Ware .

Dies gilt besonders für Kleinbauern, die angewiesen sind, das Zwischenhändler ihre Waren kaufen. Das Geld, das sie dafür bekommen, reicht oft kaum zum Leben. Ganz zu schweigen von Aus- und Weiterbildung, medizinischer Versorgung oder Altersvorsorge.

Hier schafft der Faire Handel faire Bedingungen

Der Faire Handel fördert den Zusammenschluß von Kleinbauern in Kooperativen, die gemeinsam wirtschaften. Das versetzt sie in die Lage, die nötigen Mengen zu liefern. Auch der Ausbau einer Infrastruktur wird ermöglicht.

Eine Kooperative kann sich zum Beispiel eher einen LKW leisten, mit dem die Ernte ausgeliefert wird, als ein einzelner Kleinbauer. Dasselbe gilt für den Bau von Schulen oder Krankenstationen.

Die Kriterien des Fairen Handels

Die Erzeugerpreise für fair gehandelte Produkte liegen deutlich über dem Weltmarktpreis. Diese Mindestpreise sind so kalkuliert, daß die Produzenten ihre Lebensunterhaltungskosten decken und darüber hinaus in wirtschaftliche oder soziale Projekte investieren können. Wenn der Weltmarktpreis über den festgesetzten Mindestpreis steigt, wird im Fairen Handel ein bestimmter Betrag auf den Weltmarktpreis aufgeschlagen, so daß die Erzeuger immer einen besseren Preis erhalten. Die Produkte werden direkt bei den Erzeugern gekauft, damit deren Einkommen nicht durch den Zwischenhandel geschmälert wird. Langfristige Abnahmenverträge garantieren den Produzenten über einen größeren Zeitraum sicheres Einkommen. So werden sie nicht gezwungen, ihre Produkte zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Auf Wunsch der Erzeuger werden die Produkte bis zu 60% des Kaufpreises vorfinanziert, damit die Produzenten in Saatgut , Maschinen und Transportmittel investieren können. Die Erzeuger verpflichten sich dafür, soziale Mindeststandards für Mitglieder der Kooperative oder die Arbeiter auf der Plantage zu garantieren. Ein Teil des Mehrerlöses wird zum Beispiel in Bildungseinrichtungen, medizinische Versorgung und Rentenfonds investiert.

Ein Kaffeebauer hat das Wort !

In unserer Genossenschaft haben sich 155 Familien zusammen geschlossen . Seit vier Jahren können wir gut ein Viertel unserer Ernte über den Fairen Handel vermarkten. Vor allem als die Börsenpreise ganz unten waren, hat das unser Überleben gesichert. Inzwischen können wir unseren Mitgliedern auch Fortbildungsmaßnahmen sowie landwirtschaftliche Beratung beim Anbau auch anderer Produkte anbieten. Als nächstes planen wir ein kleines Warenhaus, in dem die Bauern Werkzeuge, Saatgut sowie Dinge des täglichen Bedarfs günstig einkaufen können.

José Santos Martinez,
Coop. Nuevo Eden de San Juan, Honduras

(Quelle: TransFair Extra-Blatt)